Wieso, weshalb, warum – Rechtliche Hintergründe beim Filmedrehen

Immer wieder erreichen uns Rückfragen zu rechtlichen Themen. In unserem Blog beantworten wir mit Unterstützung von der Rechtsanwältin Nina Haverkamp eure Fragen.

Frage 1:  Müssen Menschen oder Nummernschilder vefremdet/verpixelt werden? Oder benötige ich eine ausdrückliche Zustimmung der Menschen, die ich filme, auch wenn sie nur im Hintergrund sind?

Zu den Nummernschildern: Das Recht am eigenen Bild bezieht sich nicht auf Nummernschilder. Diese dürfen also im Film erscheinen. Ein kleiner Tipp: Autos, die beispielsweise im Parkverbot oder auf Ladeflächen stehen, filmt ihr aus Rücksicht auf die Autobesitzer besser nicht.
Für Menschen, die einfach durchs Bild laufen, gilt etwas anderes: Grundsätzlich muss zuvor die schriftliche Einwilligung eingeholt werden. Es gibt ein paar Ausnahmen:

1.) Personen als „Beiwerk“ des Hauptmotivs:
Diese Ausnahme greift nur, wenn das Hauptmotiv der Aufnahme die Landschaft beziehungsweise eine allgemeine Umgebung und nicht die Darstellung der Person ist. Ob die Person „Beiwerk“ ist, lässt sich gut anhand der Frage prüfen: Kann die Person auch weggelassen werden, ohne dass sich der Gegenstand und Charakter des Bildes verändern? Das ist nicht der Fall, wenn die abgebildete Person nicht anonym bleibt oder zum Blickfang des Bildes wird. Klassiker hierfür: Strandbild mit Oben-ohne-Badenden im Vordergrund. Hier wird deutlich, dass für jedes einzelne Bild entschieden werden muss, was Hauptmotiv und was Beiwerk ist. Zu Grunde zu legen ist natürlich das Bild in dem speziellen Zuschnitt/Ausschnitt, in dem es verwendet werden soll.

2.) Menschenansammlungen:
Wer an öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, muss damit rechnen, abgebildet zu werden, und dies in gewissen Grenzen akzeptieren. Erfasst sind Veranstaltungen aller Art – wie öffentliche Demonstrationen, Karneval-Umzüge, Sportveranstaltungen, Konzerte und Kongresse. Nicht dazu zählen beispielsweise die Fahrgäste in der U-Bahn oder eine Gruppe Sonnenbadende auf einer Wiese, da sie diese Aktivitäten nicht absichtlich, sondern nur zufällig zusammen ausführen.

Situationen, die nicht unter diese beiden Ausnahmen fallen, müssen sehr sensibel behandelt werden: Entweder ihr müsst die Menschen bis zur Unkenntlichkeit entfremden oder die Zustimmung der Betroffenen einholen.